Wir sind uns in der Gegenwart zu oft einig darüber, dass Geist und Körper irgendwie zusammen gehören, dass sie verbunden sind. Gleichzeitig trennen wir immer noch unser Denken vom Körper. Eine Einheit oder eine durch den Körper ausgelöste rationale Entscheidung scheint unseren Intuitionen zu widersprechen. Wir wollen uns in unseren Entscheidungen frei fühlen. Wir wollen selbst bestimmen.
Warum ist das so? Ich glaube, dass das Prinzip Freiheit sehr stark mit der Frage über das Wesen des Menschen zusammenhängt. Begreifen wir uns als eine Einheit, die aufgrund bestimmter Strukturen so und so funktioniert, dann tendieren wir Menschen immer dazu, uns als unfreier zu verstehen.
Wie wir uns wahrnehmen und auch unser Umfeld behandeln, hat also viel damit zu tun, wie wir uns als Menschen begreifen.
Während ich in einem anderen Aufsatz mit Descartes den Rationalismus näher bringen wollte, behandelt dieser Text die Idee des Empirismus und den Philosophen David Hume.
Der lebendigste Gedanke ist immer noch schwächer als die dumpfeste Wahrnehmung.
David Hume, Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, übers. von herbert herring, stuttgart: reclam verlag 2011, [13], S. 31.
David Hume und sein Leben

Porträt von David Hume
von Allan Ramsay, 1766, in: Schottische Nationalporträtgalerie, Gemeinfrei.
David Hume ist 1711 in Schottland geboren und lebte eine Zeit in Frankreich, in Paris, in Reims und in Edinburgh in einer Zeit vor der deutschen Aufklärung.
Hume lebte ein bescheidenes Leben als Philosoph. Er hatte nicht viel Geld, konnte eine Zeit lang von einem kleinen Erbe leben und lehrte dann als Dozent.
Daraufhin war er Sekretär für einen britischen Botschafter und konnte dadurch etwas Geld für sein Schreiben ansparen. – Ein sehr klassisches Leben für einen Philosophen.
Er ist DER Philosoph der Aufklärung, der zu Lebzeiten keinen Lehrstuhl erhalten hat. Er hat sich mehrmals darauf beworben und ist mehrmals gescheitert.
Interessant in dem Hinblick, dass Hume heutzutage Pflichtlektüre an akademischen Lehrstühlen, aber sogar auch an allgemeinbildenden Schulen geworden ist. Auch der Philosoph Immanuel Kant war ein großer Fan von David Hume.
Die Hauptwerke von David Hume sind:
- A Treatise of Human Nature (Ein Traktat über die menschliche Natur)
- An Enquiry Concerning Human Understanding (Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand)
- An Enquiry Concerning the Principles of Morals (Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral)
- Dialoges Concerning Natural Religion (Dialoge über die natürliche Religion) (Posthum, 1779)
Humes Ideen

Empirismus
Foto von Paul Blenkhorn auf Unsplash
Die bekannteste Idee ist die des Empirismus. Alles, was wir denken oder wahrnehmen, erfahren wir durch unsere Sinne. Das bedeutendste Werk dazu lautet: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. Hume befasst sich in diesem Werk dabei vor allem mit der Frage: Was und wie kann der Mensch überhaupt erkennen? Er liefert damit ein Werk, welches sich im Bereich der Erkenntnistheorie einordnen lässt. David Hume war einer der wichtigsten Vertreter und Begründer dieser Theorie. Ihm war es wichtig zu betonen, dass der Mensch Erkenntnisse nur mithilfe der Empirie und damit durch unsere Sinneserfahrungen erreichen wird. Damit entwickelt sich der Empirismus als die gegensätzliche Theorie zum Rationalismus, dessen Hauptvertreter und Mitbegründer der französische Philosoph René Descartes bleibt.
Für Hume spielt sich nicht wie bei Platon und bei Descartes – alles im Kopf ab. Nein – für Hume unterliegt die Erkenntnis in der Erforschung der Natur, der Empfindungen und der Erfahrungen. Eine Idee, die irgendwie und irgendwo über uns herumschwirrt und uns Zugang zu Wissen übermittelt – gibt es nicht. Diese Annahme zeigt sich nicht nur in der Theorie, sondern auch in Humes Leben. Er möchte eine Philosophie lehren, die die Erfahrung des Menschen in den Vordergrund stellt. Während René Descartes also abgeschottet von der Welt das Wissen erreichen möchte, begibt sich David Hume in die Wirklichkeit. Er ist sich damit auch bewusst, dass Philosophen, um im Leben und in der Gemeinschaft ankommen zu können, sich selbst auch immer zurücknehmen sollten. So schreibt er beispielsweise in seiner Untersuchung über den menschlichen Verstand den schönen Satz:
Sei ein Philosoph, doch bleibe bei all deiner Philosophie, stets Mensch.
Ebd., S. 21.
Das Leben also wartet auf uns. Es kann nicht erdacht werden. Es muss vielmehr erfahren und bedacht werden. Gerade das Denken und die Philosophie tun sich damit bekanntlich leider immer noch sehr schwer. Vielleicht finden wir mit David Hume eine mögliche Richtung…Weitere bekannte Vertreter des Empirismus waren unter anderem Francis Bacon, John Locke und George Berkley.

Die Idee der Einheit und der Sensualismus
Foto von Paul Blenkhorn auf Unsplash
Es scheint der Satz kaum bestritten zu werden, daß alle unsere Vorstellungen nur Abbilder unserer Eindrücke sind oder, mit anderen Worten, daß es uns unmöglich ist, an etwas zu denken, das wir nicht früher – sei es durch äußere oder innere Sinne – empfunden haben.
Ebd., S. 84
Für Hume sind Körper und Geist notwendig miteinander verbunden. Kein Geist oder Verstand existiere unabhängig vom Körper. Das wirkt sich auf unsere Erkenntnisse aus.
Er geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet, dass das Erkennen des Geistes nur durch unsere Erfahrungen entsteht.
Ohne unsere Erfahrungen sind wir also nichts. Hume war davon überzeugt, dass kein Kopf so frei und unabhängig sein kann, dass er überhaupt in der Lage wäre, irgendwelche Urteile zu fällen, die unabhängig von seinen Erfahrungen entstanden wären. Diese Art des Empirismus nennt man auch Sensualismus: Alle Ideen und Vorstellungen sind nicht nur mit Empfindungen verbunden, sondern vielmehr stammen sie von Empfindungen ab. Für Hume gibt es also nur Urteile a posteriori.
| Urteile a posteriori | Urteile, die sich auf Erfahrungen berufen |
| Urteile a priori | Urteile, die sich nicht auf Erfahrungen berufen |
Wir können uns nur etwas Bestimmtes vorstellen, weil wir irgendetwas in dieser Art bereits mit unseren Sinnen erfahren haben.
Für Hume steht also die Erfahrung vor der Vernunft im Prozess des Erkennens. Die aktuelle Psychologie lebt auch heute noch sehr stark nach diesem Prinzip.
Weitere bekannte Sensualisten waren beispielsweise Thomas Hobbes, Ludwig Feuerbach, Friedrich Nietzsche oder Ernst Mach.

Erfahrung und Wirklichkeit
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So sage ich denn, daß, selbst nachdem wir das Verhalten von Ursache und Wirkung erfahren haben, unsere Schlüsse aus dieser Erfahrung nicht im Denken oder in einer anderen Verstandestätigkeit günden.
Ebd., S. 49 f.
Wollen wir Erkenntnisse über die Welt um uns und nicht nur über uns erfahren, so müssen wir laut Hume über unsere Erfahrungen nachdenken. Mit dieser Idee kritisierte David Hume das zu seiner Zeit fest etablierte Prinzip der Induktion.
Das Prinzip der Induktion ist auf antike Philosophen wie Aristoteles zurückzuführen. Dabei geht es darum, Wissen über die Außenwelt, also Wissen über die Wirklichkeit mithilfe einer einzelnen Beobachtung zu erhalten. Es wird also vom Einzelfall auf das Allgemeine geschlossen. Hume kritisiert dabei, dass diese Einzelfälle immer notwendig an unsere Erfahrungen und unsere Sinneseindrücke geknüpft sind. Diese sind allerdings immer individuell verschieden und können daher zu keiner allgemeinen Regel führen.
Damit können wir für Hume niemals wirklich wissen, ob andere Menschen genau das sehen oder riechen wie wir selbst. Dieser Gedanke war in der damaligen Zeit ein Meilenstein der Philosophie und der Vorreiter für die wissenschaftliche Methode der Deduktion und später auch der Falsifikation von Karl Popper.
Hume behauptet, dass Ursache und Wirkung zusammengehören. Mehr dazu, ein anderes Mal…
Literaturhinweise:


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