Uraltes Wehn vom Meer,
Meerwind bei Nacht:
du kommst zu keinem her;
wenn einer wacht,
so muß er sehn, wie er
dich übersteht:
uraltes Wehn vom Meer,
welches weht
nur wie für Urgestein,
lauter Raum
reißend von weit herein.
O wie fühlt dich ein
treibender Feigenbaum
oben im Mondschein.

Gedicht aus: Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. der neuen Gedichte anderer Teil, 1908
Bild: Von Katsushika Hokusai – Die große Welle vor Kanagawa (1830–1832) public domain

Rainer Maria Rilke (geboren 1875 in Prag; gestorben 1926 in der Schweiz)
war ein österreichischer Lyriker. Seine Lyrik ordnet sich in die impressionistische Lyrik ein. Sie ist geprägt von inneren Gefühlsausdrücken. Außerdem war Rilke geprägt von bildender Kunst und damit immer im aktiven Austausch mit ihr.
Rilke verfasste genau einen Roman mit dem Titel: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge.
Besonders für junge Dichter:innen ist sein Werk: Briefe an einen jungen Dichter zu empfehlen.
Titelbild: Camile Claudel: La Vague, die Welle. Musée_Rodin, 1897; public domain


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